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Große Choroperette mit stimmgewaltigem Chor


(Foto: Hubert Richter)

(bro) (khm) Am vergangenen Sonntag, 3. Februar, gab in der Eberbacher Stadthalle die "Johann-Strauß-Operette-Wien' mit Gesangssolisten, Orchester, Chor und Ballet ein Gastspiel mit dem "Zigeunerbaron", der berühmten Operette oder besser komischen Oper von Johann Strauß' Sohn (1825-99), wie man den gleichnamigen Sohn des älteren Johann Strauß und "Walzererfinders" (1804-49) gelegentlich auch nannte, also dem "Souverän im Weltreiche des Dreivierteltaktes", der in einem Fragebogen "Walzerfabrikant" als Beruf nannte, obwohl der "Walzerkönig" gerade hier "den Sprung zum Opernkomponisten" schaffte, indem der 'Zigeunerbaron' nicht ein Potpourri von Walzern und Polkas, sondern eine richtige Oper sein sollte.

Dem Meisterwerk, das Strauß 60-jährig komponierte, lag zu Grunde eine Novelle des ungarischen Romanciers Moritz Jokai, welche der ungarische Journalist Ignaz Schnitzler geschickt in ein gutes Libretto umredigierte. Die bei der Uraufführung 1885 "erzählte Welt" war folgende: Im Jahr 1717 wurde die Festung Belgrad in einem neueren Türkenkrieg erobert vom Prinzen Eugen, dem "edlen Ritter" (vgl. das bekannte Volkslied). Der türkische Statthalter (Pascha) floh aus dem Banat, das von damals bis 1918 die Südostecke Ungarns (innerhalb der Donaumonarchie) gebildet hatte. Er ließ ein Kind und einen Goldschatz zurück. Geflohen war auch ein 'kollaborierender' Ungar namens Barinkay. Ganze 24 Jahre später - 1741 laut Text - d. h. in die Regierungszeit von Maria Theresia (Mitte 18. Jahrhundert) einmündend - wird dessen Sohn Sandor von dem könglichen Commissär Carnero zurückgeführt, um Schatz und Ländereien samt Schlossruine wieder zu erlangen, wo der Schweinezüchter Zsupán mit seiner Tochter Arsena und eine Zigeunersippe, u. a. die alte Czipra und die junge Saffi sich niedergelassen haben. Sandor möchte nun durch Heirat mit Arsena das Land wiederbekommen. Diese liebt aber Ottokar, einen anderen. Enttäuscht begibt sich Sandor zu den Zigeunern, die in Erinnerung an seinen Vater ihn bereitwillig als ihren Herrn anerkennen (Báron der Zigeuner). Er verliebt sich in Saffi, deren vermeintliche Mutter Czipra bei der Schatzauffindung hilft und später bekennt, dass Saffi die Tochter des geflohenen Paschas ist. Zsupan und Arsena sind jetzt empört über Sandors Verhalten. Der aber fühlt sich der jetzt hochadligen Saffi unwürdig. Da gerade der an den Patriotismus der Bewohner geschickt appellierende Truppenwerber Graf Homonay vorbeikommt, lässt Sandor sich anwerben, mit ihm auch andere wie Zsupan und Ottokar, den Arsena liebt. Nach einem Fest für heimkehrende Soldaten in Wien - alle sind unversehrt geblieben - kann Arsena Ottokar heiraten, Sandor seine Saffi. Er bekommt auch den Goldschatz zurück, den Homonay verwahrt hatte, und wird zum richtigen Baron geadelt. Der Feldzug wird hier der spanische genannt. Von einem Feldzug gegen Spanien, einen der damaligen Gegner, ist aber nichts bekannt. Man hätte am ehesten "preußisch" erwartet. Der Librettist und Strauß, der vielleicht an ein nicht zu verstimmendes späteres Berliner Publikum dachte, bevorzugten so kurzerhand das weniger verfängliche "spanisch".

Diese Geschichte erlebte man, geschildert in zweieinhalb Stunden Dauer, mit den zündenden Melodien des Johann Strauß (Sohn) in all den unvergänglichen "hits" - "highlights" - "Ohrwürmern" - "Schlagern" daraus. So bewunderte man Sandors Entrée Couplet (Auftrittslied mit Refrain, 1. A) im 'presto parlando' "Als flotter Geist doch früh verwaist, hab ich die halbe Welt durchreist" samt seinem so kantablen "Ja, das alles auf Ehr', das kann ich und noch mehr", vom Tenor Kenichiro Takashima kraftvoll gesungen. Das Auftritts-Couplet (Liedstrophen mit Refrain) von Zsupan (Giorgio Valenta), dem Schweinzüchter und "Voter" von Arsena, seiner "ausgezaichneten" Tochter, der in prächtigem Ungar-Deutsch sein "Das Schreiben und das Lesen ist nie mein Fall gewesen" sang und dabei sein schauspielerisches Talent entfaltete, enttäuschte seine Bewunderer nicht, wie auch seine Tochter Arsena (Anita Tauber) später ihre zickischen Launen mit gekonnten Spitzentönen beifällig unterstrich. Das wahrhaft opernwürdige und sicher ungeduldig erwartete lyrische Duett Sandors und Saffis vom Dompfaff, der Nachtigall und den Störchen als Trauungsbehörde (2 A.) "Wer hat uns getraut? Ei sprich! Sag du's! Der Dompfaff, der hat uns getraut!", viel gesungen, beeindruckte unverwüstlich auch hier durch seine einschmeichelnde Melodik sowohl sängerisch wie auch schauspielerisch. Nennen muss man die Lieder Saffis (1.A): "So elend ist keiner auf Erden wie der Zigeuner" und (an Barinkay) "Hier in diesem Land eure Wiege stand", geradezu opernschwere Arien und entsprechend durch den sowohl lyrischen als auch hochdramatischen Sopran von Irena Krstestka vorgetragen, ferner das entzückende Schatzwalzer-Terzett mit Saffi - Barinkay - Czipra (Yulia Savrasova) (2.A.): "Ha, seht, wie es winkt, wie es blinkt, es klingt".

Die Rollen zeigten, dass das Werk, auf "lieto fine - happy-end" ausgehend, eine richtige "Umschlagsoper(ette)" (E. Decsey) ist: Armer Flüchtling wird glücklich verheirateter, wohlhabender Baron, wahre Liebe und wilde Ehe münden in gesetzliche Heirat, armes hübsches Zigeunermädchen entpuppt sich als Fürstenkind, der strenge Sittenkommissär (Carnero (Martin Ganthaler) erweist sich als glücklichen Vater eines unehelichen Sohnes, nämlich Ottokars (Marco Ascani), von Mirabella (Adrienne Lang), der Erzieherin Arsenas.

Der Zigeunerbaron gilt als große Choroperette, welcher der stimmgewaltige Chor und das mitreißend dirigierte und versierte Orchester unter Petra Giacalone alle Ehre machte, indem sie schon in der Ouvertüre Walzerseligkeit, Lyrisches und Melodramatisches angemessen zu gestalten wusste. Die motivisch auf der Oper(ette) beruhende Ouvertüre begann so nach straff rhythmischen Takten mit zigeunerisch melancholischen Klängen, der sich die Melodie von Saffis Begrüßungslied an Barinkay "Hier in diesem Land eure Wiege stand" anschloss. Sogar das Steineklopfen bei der Schatzsuche konnte man im pizzicato vernehmen. Ein melodramatischer Übergang führte zur prachtvollen Melodie des Walzer-Chors "So voll Fröhlichkeit". Nach weiteren musikalischen Zitaten setzt die stürmische Coda ein mit den für Strauß typischen dahinstürmenden Sechzehnelpassagen. Hier sei noch besonders auf den Walzer-Chor (3. A.) "So voll Fröhlichkeit gibt es weit und breit keine Stadt wie die Wienerstadt" verwiesen, der formal die von Strauß so gut beherrschte wie geliebte Form eines 'Marionetten-Walzers zeigt. So gibt es in den ersten Takten starre Hopser, Kasperlpausen. Nach dieser von Pausen unterbrochenen Punktthematik bricht dann plötzlich eine schwelgerische Kantabilitätswelle an.Da man viel Walzerklänge hörte vom Meister des Genres Strauß, der übriges unbeirrbar Nichttänzer war und blieb, mussten die gelungenen Tanzeinlagen, gestaltet von Nera Nicol, fast zwingend folgen, sei es mit Balletteusen im 'Schweinchen-Look' oder mit verschiedenen charmanten Ballett-Einlagen.

Bei Handlungen geht es nun nicht nur um die "erzählte Welt", hier offenkundig die Zeit der späteren (1745) Kaiserin Maria Theresias (1717-1740-1780), sondern auch um die "erzählende Welt", also die Zeit der Aufführung(en). Der Aufwand bei der Uraufführung 1885 (24. Okt. im 'Theater an der Wien,' einen Tag vor Strauß' 60. Geburtstag), an der Kaiser Franz Joseph teilnahm, war beträchtlich, wie ein erhaltenes Aufführungsplakat zeigt. Am Inhalt nahm offensichtlich niemand Anstoß. Im Jahr 2019, zumal bei einem 'mobilen Theater', musste alles bescheidener ausfallen, aber nicht ohne Einfallsreichtum sein, wie die Regie, prachtvolle Kostüme, das gelungene Bühnenbild von Andrea Schwarz bzw. Norbert Art-Uro zeigten, die beide eine 'klassisch inszenierte' Aufführung - wie angesagt - realisierten, d. h. ohne nach modischer Regisseurart zu überaktualisieren und einen "Weltveriss im Walzertakt "zu generieren, wozu Flüchtlingsschicksal und Kriegsgeschehen, durch Begeisterung verharmlost, doch hätten veranlassen können, womit man aber in Rundfunk und Fernsehen angemessener konfrontiert wäre. Uns heute befremdet indes das Säbelrasseln und der (Hurra)patriotismus des von dem feschen Grafen Homonay (Dieter Kschwendt-Michel) gekonnt präsentierten Werberlieds (2. A.). Man hat aber 'zeitgerecht' die Ereignisse der Österreichischen Erbfolgekriege (1741-48, 1756-63) zu beurteilen. Diese hatten zum Ziel, die habsburgische Länder zu verteilen infolge des Todes ohne männlichen Erben von Kaiser Karls VI, wogegen seine Tochter und Erbin Maria Theresia sich letztlich erfolgreich wehrte. Für habsburgtreue Ungarn damals war also Patriotismus durchaus verständlich, wie auch die schwarz-gelbe Fahne hier es andeuten sollte. Auffällt zunächst auch die schlechte Meinung über Zigeuner, die da im Streit "Kesselflicker und Pferdediebe" genannt werden, die im Zigeunerchor selbst offenbar gängige Verdächtigungen anführen: "Habet acht vor den Kindern der Nacht. Wo Zigeuner, Zigeunerinnen sind - Mann - gib acht auf dein Pferd - Weib - gib acht auf dein Kind!", was aber gleich deutlich als Vorurteil hingestellt wird: "Du kannst den Zigeunern getrost vertraun. Auf alle kannst du wie auf Felsen baun." 'Zigeuner' gehört nun heute zu den sprachlich nicht mehr korrekten" Wörtern, also den 'Unwörtern', was schon dazu geführt hat, dass 'Paprikaschnitzel' für 'Zigeunerschnitzel' empfohlen wird. Erwünscht ist jedenfalls die Bezeichnung "Sinti und Roma", also hier 'Sintibaron' oder 'Romabaron' !? Da aber in der Oper(ette) genau genommen keine grundsätzliche Zigeunerfeindlichkeit zu finden ist, wird man ungeniert beim traditionellen Titel bleiben dürfen, wie es auch immer noch französisch "Le baron tzigane" und englisch "The Gipsy Baron" heißt.

Zum Schluss gab es lang anhaltenden, mit dem Radetzky-Marsch (von Joh. Strauß/Vater) grundierten 'kolossalen Beifall', wie man früher so sagte, vom sehr zahlreichen Publikum für alle Mitwirkenden - nun teils mit Rot-Weiß-Rot-Fähnchen Österreichs in den Händen - für dieses Ereignis, das vor 20 Jahren (1998) vom Polnischen Musiktheaters Warschau schon einmal hier geboten war und vor elf Jahren (2007) bei den Zwingenberger Festspielen. Die vielen aber, die dem unübertrefflichen Superlativ beipflichten, dass Johann Strauß der "am berühmtesten gebliebene Musiker aller Völker, Zeiten und Kulturen geblieben" ist (Otto Brussati, österreichischer Radiomoderator, Musikwissenschaft-ler und Schriftsteller), werden sicher sich alsbald die musikalische 'Kurzform' des Werks, den konzertanten "Schatzwalzer" op. 418, anhören mit "Czipras Tarantella" und der vierfachen Walzerkette: ("So voll Fröhlichkeit", "Ha seht wie es winkt, es blInkt"; "Nur keusch und rein", "Doch mehr als Gold und Sold") oder auch Anton von Weberns reizvolle Sextettbearbeitung (1921) des Walzers mit Streichquartett, Harmonium und Klavier.

05.02.19

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