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Ein glanz- und gehaltvoller Festgottesdienst


(Foto: privat)

(bro) (khm) Zum kirchlichen Abschluss der vielfältigen Veranstaltungen und Feierlichkeiten zum Reformationsgedenken 1517-2017 fand am vergangenen Dienstag in der Eberbacher Michaelskirche ein beeindruckender abendlicher Festgottesdienst statt - geleitet musikalisch von KMD Achim Plagge und von Pfarrer Gero Albert liturgisch, und zwar durchaus im Wortsinn von Liturgie - Dienst (gr. 'ergon') fürs (Gemeinde)volk (gr. làos), indem er seine Predigt sachkundig mit einer Betrachtung der großen Bachkantate "Ein feste Burg ist unser Gott" BWV 80 verband.

Ausgehend von der Quasi-Mitte der Kantate, der Sopranarie 'Komm in mein Herzenshaus, setzte er etwa den dortigen Begriff 'erneuert" zu dem Schlüsselbegriff 'reformiert' in Beziehung und sprach auch über den seit Jahrhunderten so gewandelten Sinn des Reformationsfestes, dass bei diesem Gottesdienst der katholische Kollege, Stadtpfarrer Matthias Stößer, nicht nur anwesend war, sondern dankenswerterweise auch die Liturgie mitgestaltete.

In der 'Lesung' zitierte dieser die für Luther so wichtigen Paulusworte: "So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht werde (Gott recht werde), ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben" (Röm. 1, 28), womit Luther die fehlgeleitete Frömmigkeit damaliger Zeit mit 'Selbsterlösungsstress' und Erlösungskapitalismus-Ablass' überwinden wollte. Beide Kirchen sind sich hier wohl einig in der Befürwortung einer notwendig gewordenen 're-formatio', die vor allem eine 'Rückbesinnung' auf das den Evangelien nähere paulinische Christentum sein musste.

Der Gottesdienst stand unter dem Motto "Hast du Töne, Martin? Luther-Songs gestern und heute", umfasste alte Choralgesänge in Jazz-Choralbearbeitungen von Christoph Georgii und die große, dereinst auch zu solchem Feiertag komponierte Bachkantate "Ein fest Burg ist unser Gott" mit den Mitwirkenden: Eberbacher Kantorei, Jugendchor "Voices of Heaven", Posaunenchor Eberbach, der den Gottesdienst mit einer erfrischenden Telemann-Komposition einleitete, Orchester Kurpfalzphilharmonie Heidelberg, Christoph-Georgii-Jazz-Trio und Gesangssolisten Caroline Albert (Sopran), Julia Spies (Alt), Achim Plagge (Tenor und Dirigent) und Marcel Brunner (Bass).

Das Christoph-Gorgii-Jazztrios mit Pianist, Schlagzeuger und Kontrabassist steuerte dabei dem denkbaren Eindruck eines etwas zu musealen Festgottesdiensts entgegen, wenn auch Museen doch meist zeitlos bedeutsame Werke bewahren. Christoph Georgii (*1977) Kirchenmusiker, Pianist, Dozent, Autor, Beauftragter in der Evangelischen Landeskirche Baden für Jazz-, Pop- und Rockmusik, beschäftigt sich über Jahre hin mit Choralmusik, deren oft zeitlose Melodik er für Jazzimprovisation nutzbar zu machen versteht und so eine Synthese zweier Musikwelten bewirkt, die offenbar beide ungemein improvisationsfähig sind und von denen die wertvolle ältere Chormusik bestens mit den spontanen musikalischen Mitteln des Jazz "aufgefrischt" werden kann, wie es dann auch zeigten die gespielten Jazz-Arrangements von Lutherliedern für Chöre und Jazz-Trio 'Nun freut euch, lieben Christen g'mein', ' Verleih uns Frieden gnädiglich' und verschiedene Bearbeitung durch Georgii von Kompositionen des bekannten schwedischen Jazzpianisten und Komponisten Esbjörn Svensson, der 44-jährig durch einen Unfall 2008 ums Leben kam, in dessen legendärer Triobesetzung das Georgii-Trio hier musizierte.

Zum traditionell zentralen Werk bei Gottesdiensten zum Reformationsfest, der Bachkantate mit dem Lutherlied "Ein feste Burg ist unser Gott" (BWV 80), gehört natürlich auch heute die Frage nach ihrer Epochengerechtheit". Wegen der kriegerischen Metaphorik ihrer Sprache galt sie doch auch schon als das "Kampflied der Reformation", nach Heinrich Heine als das "Marseiller Lied des 16. Jahrhunderts", also 'Marseillaise der Reformation'. Für unsere Zeit empfiehlt sich wohl eher die Deutung als "protestantisches Glaubens- und Bekenntnislied" mit symbolischer Auslegung der martialischen Sprachbilder, was natürlich nicht heißen kann, frühere Zeiten hätten den Text ganz missverstanden. In den Zeiten der Glaubenskämpfe war die Auffassung als Kriegslied auch epochengerecht. Für uns nach bitteren Erfahrungen besagt das "Ein feste Burg ist unser Gott, ein feste Wehr und Waffen" eher, dass Gott angesichts von unerschütterlichem Vertrauen auf ihn ein Schutz sei im unaufhörlichen Protest und Kampf gegen all die widrigen Mächte, die als Inhumanität, Unmoral und Intoleranz uns entgegentreten. Die Basis des Kantatentextes, der im Gottesdienst auch verlesene Trostpsalm 46 verweist ohnehin auf diesen Sinn. Luther könnte das seiner Zeit gemäß etwas schärfer verstanden haben, Bach aber eher zurückhaltender gewesen sein. So kennt er z. B. für seine Kantate keine triumphalistischen Trompeten, die anstatt von Oboen samt Pauken erst Sohn Wilhelm Friedemann für Satz eins und fünf einführte bei einer Aufführung in Halle, das allerdings unter der Herrschaft des protestantischen preußischen König stand. Vater Bach wollte mit seiner Kantate kein provokantes Kampflied, schon nicht angesichts seines seit 1697 katholischen Landesherrn. August der Starke konvertierte (Varsovie vaut une messe), um polnischer König werden zu können. Bach und seine Leipziger Dienstherren wollten da wohl Fingerspitzengefühl zeigen und damit kein allzu imposantes Fest feiern.

Die Eberbacher Darbietung dieser achtteiligen Kantate (8 Nummern) über das Lutherlied "Ein feste Burg ist unser Gott" (ev. GB Nr. 362) mit den vier Lutherliedstrophen, von denen die zweite der Teil einer Arie ist, und den fünf freien Nachdichtungen (Arien, Rezitative), die unter Bachs etwa 200 Kantaten mit ihrer halben Stunde Dauer eine der längsten ist, verzichtete - wohl auch aus Finanzenge - auf den trompetenmäßigen 'goldenen Überguss'. Es ging gleich ohne instrumentales Vorspiel 'in medias res' mit dem Einleitungschoral (Nr. 1), dem wohl 'ultimativen Höhepunkt des bachschen Choralschaffens', wie man sagt. Von den Choristen und dem Dirigenten verlangte das ein 228 Takte langes kontrapunktisches Singen der ersten Strophe des Lutherliedes, indem jede Liedzeile als dreistimmige Fuge (Violinen, Sopran, Alt - Violen, Tenor - Cello, Bassstimme ) zu singen war. Nach jeder Zeile erklang, von Oboen und Continuo-Bass, höchstem und tiefstem Instrument, umhüllt, wie ein cantus firmus unverändert die Melodie des Choraltexts "Ein feste Burg ist unser Gott". Diese Einfügungen konnten wirken wie der Fels in der Brandung des Fugengewimmels, eine typisch barocke Umsetzung von Inhalt in Musik, die beim Einsatz der umstrittenen Trompeten statt der Oboen sicher noch effektvoller ausgefallen wäre. Welch intensive Probenarbeit also für Dirigent Plagge und vor allem auch für nicht professionelle Sänger zum Gelingen dieses grandiosen Choralsatzes nötig war, kann man sich vorstellen, und Plagge erreichte - auch durch ein sicher wohlüberlegtes moderates Tempo - ein Gelingen von gut konturierten Fugierungen und klangbetonten Koloraturen mit folglich gutem Wortverständnis bei den Hörern.

Eine Erleichterung war da für die Sänger der mitreißende zweite Choral über die dritte Strophe des Lutherliedes (Nr.5). den Bach - für sein Werk sehr selten - vom ganzen Chor 'unisono - einstimmig' singen ließ. Auch hier wie beim ersten Choral spielte der barocke Gedanke einer textempfindlichen Musik eine Rolle, wenn der einstimmige Chorsatz wie ein symbolhaftes Standhalten, Furchtlos-Sein den Anfechtungen des Satans, des Bösen in der Versinnbildlichung durch eine ruhelos bewegte, dramatische Orchesterbegleitung tonmalerisch gegenüberstand. Der letzte Choral und Schluss der Kantate (Nr. 8) mit der 4. Strophe des Lutherliedes war - wie üblich bei Bach - ein schlichter vierstimmiger Chor.

Die verbleibenden fünf Kantatennummern waren drei Arien und zwei Arien einleitende Rezitative, die von dem Weimarer Dichter Salomon Franck (1659-1725) stammen sollen. Diese Rezitative (Nrn. 3 und 6) hatten in der mehr kontemplativen Kantate keine Handlung, die sie vorantreiben konnten, sondern waren Ermahnungen zum Glauben und Gottvertrauen der Zuhörer, aber doch auch musikalisch einfallsreich gestaltet als secco-Rezitative (Sprechgesang) mit arioso-Ende, das in seiner 'lieblicheren' Melodik samt reichlichen Koloraturen von Marcel Brunner (Bass) hörbar gern angenommen und ausgeführt wurde.

Die drei Arien waren zwei Duette und eine Soloarie. Das bemerkenswerte erste Duett (Nr. 2) war eine Choral-Arie über die zweite Strophe des Lutherliedes mit dem Bass Marcel Brunner und der Sopranistin Caroline Albert, die ihren Part zu singen hatten zur "Tumultmotivik in durchlaufender Sechzehntelbewegung" (Dürr) von zusammengefassten Violinen und Violen, von der der Satz ununterbrochen durchzogen wurde, Es könnte etwa wieder ein Kampfgetümmel versinnbildlichen mit darin Kämpfenden und Sich-Behauptenden. Wenn man dazu den koloraturreichen Part des Basses und das seinem Einsatz folgende Singen des Lutherlied mit vielen Auszierungen durch die Sopranistin verfolgte, konnte man sich vorstellen, welche Konzentration das genaue Zusammenfügen der beiden kontrastierenden Musikbewegungen erforderte. Von basso continuo, also Minimalbesetzung, begleitet, sang Caroline Albert die Arie "Komm in mein Herzenshaus, mein Jesu". Das Wort "Herz" hatte hier nicht gereicht, es musste sich auf "Sündengraus reimen. Nach den kraftvollen Einleitungsstücken wurde diese, kantilenenreiche Arie ohne jedes Getümmel, lieblicher von der Sängerin gestaltet und vorgetragen. Das zweite Duett "Wie selig sind doch die, die Gott im Munde tragen, doch sel'ger ist das Herz" (Nr. 7) kann ein kammermusikalisches Kleinod genannt werden, bei dem in Quintettform Julia Spies (Alt), Achim Plagge (Tenor), Solo-Oboe, Solo-Violine und Solocello (b.c.) zu hören waren. Zu dem versetzt beginnenden Duo mit Oboe und Violine traten die beiden Gesangstimmen und konnten ihre Terzenklanglichkeit klangschön auskosten, wie es wohl auch im Sinne des Textes war. Wenn aber textlich "die Feinde schlagen" kam, betonten die Sänger auch die dazu komponierten Koloraturen, wie sie auch beim Wort "Tod" die dazu passende Chromatik hervorhoben.

Dass die versammelte Gemeinde von diesem glanz- und gehaltvollen Festgottesdienst beeindruckt war, zeigten schließlich am besten die Beifallskundgebungen, denen noch als Zugabe ein weiteres Chor-Jazz-Arrangement "Abendlied" folgte.

02.11.17

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